Methodik

Unser Ansatz

Wir arbeiten mit einem bewusst nüchternen Ansatz für makroökonomische Szenariobäume, der von der klaren Ausgangsfrage über das Annahmenraster bis zur Integration in Ihre Entscheidungsprozesse reicht und lange Horizonte strukturiert besprechbar macht.
Team skizziert Szenariobaum

Rahmen statt Bauchgefühl

Die bequeme Vorstellung lautet, man könne lange Horizonte mit einem einzigen Zahlenset abdecken und den Rest der Diskussion delegieren. Wir halten dagegen und arbeiten mit einem klar definierten Prozess für makroökonomische Szenariobäume, der Unsicherheit offenlegt, statt sie zu verdecken. Auf dieser Seite zeigen wir, wie wir Ausgangsfragen schärfen, Horizonte wählen, Annahmen strukturieren und Pfade so bauen, dass sie in realen Gremiensitzungen nutzbar bleiben. Wir beschreiben keine abstrakte Theorie, sondern die Methodik, die wir in Projekten mit Institutionen tatsächlich anwenden und laufend weiterentwickeln.

Worauf unsere Methodik aufbaut

Quantitative Strenge ohne Scheinpräzision

Viele Modelle tun so, als könnten sie Unsicherheit in einer eleganten Formel verschwinden lassen. Wir arbeiten anders. In unserer Methodik Quantitative Strenge im Rahmen offener Unsicherheit nutzen wir Daten, historische Verläufe und einfache Modelle, um Spannweiten und Abhängigkeiten abzuleiten, ohne daraus scheinbar exakte Vorhersagen zu machen. Jeder Pfad im Szenariobaum trägt seine Annahmen sichtbar mit sich, jede Verzweigung hat eine dokumentierte Begründung, und wir markieren deutlich, wo Zahlen auf soliden Reihen beruhen und wo nur plausible Schätzungen möglich sind.

Unser Prozess in fünf Schritten

Der naive Weg wäre, Modelle einmal aufzusetzen und dann unverändert zu lassen, wir arbeiten mit einem klaren, wiederkehrenden Prozess, der lange Horizonte strukturiert und Anpassungen nachvollziehbar macht.
01

Ausgangsfrage und Horizont definieren

Wir beginnen nicht mit Kennzahlen, sondern mit der Frage, welche Entscheidung Ihr Gremium vorbereiten will. Im Schritt Ausgangsfrage und Horizont definieren klären wir Ziele, Restriktionen, Verantwortlichkeiten und zeitliche Spannweite. Wir prüfen, welche Verpflichtungen über Jahrzehnte reichen, welche Kennzahlen in Ihren Prozessen bereits genutzt werden und wie detailliert der Szenariobaum sein muss, um handhabbar zu bleiben. Erst wenn klar ist, welche Beschlüsse unterstützt werden sollen, legen wir fest, welche Variablen und Knotenpunkte in den Baum aufgenommen werden.
02

Annahmen und Daten ordnen

Im Schritt Annahmen und Daten ordnen trennen wir strikt zwischen beobachteten Daten, abgeleiteten Spannweiten und reinen Hypothesen. Wir analysieren historische Verläufe, identifizieren mögliche Regimewechsel und legen fest, welche Variablen als Treiber fungieren. Für jede Annahme dokumentieren wir Quelle, Begründung und Alternativen. So entsteht ein Annahmenraster, das verhindert, dass Pfade beliebig werden oder Narrative die interne Logik überlagern. Dieses Raster ist die Grundlage für alle weiteren Verzweigungen im Szenariobaum.
03

Szenariobaum konstruieren

Im Schritt Szenariobaum konstruieren übersetzen wir das Annahmenraster in eine Baumstruktur mit klar definierten Knotenpunkten. Wir legen fest, an welchen Zeitpunkten sich Pfade verzweigen, wie viele Alternativen pro Knoten sinnvoll sind und welche Kombinationen ausgeschlossen werden. Stresspfade werden explizit eingebaut, nicht nachträglich angehängt. Wir achten darauf, dass die Struktur auch für nicht technische Leser verständlich bleibt und jede Verzweigung mit einer kurzen Beschreibung versehen ist, die Mechanismus und mögliche Folgen skizziert.

04

Integration und Governance sichern

Im Schritt Integration und Governance verankern wir den Szenariobaum in Ihren bestehenden Prozessen. Wir definieren, wie er in Sitzungen genutzt wird, welche Unterlagen er ergänzt, wie Beschlüsse dokumentiert werden und wie Anpassungen bei neuen Informationen erfolgen. Dabei arbeiten wir mit klaren Rollen: Wer darf Annahmen ändern, wer initiiert Überprüfungen, wie werden Änderungen festgehalten. Ziel ist ein lebendiger Rahmen, der regelmäßig eingesetzt wird und Entscheidungen über lange Horizonte nachvollziehbar unterstützt.
05

Reflexion und Weiterentwicklung

Im Schritt Reflexion und Weiterentwicklung spiegeln wir reale Entwicklungen an den Szenariopfaden. Wir prüfen, welche Annahmen sich als robust erwiesen haben, wo Brüche anders verliefen und welche neuen Mechanismen sichtbar wurden. Anstatt den Baum komplett neu zu bauen, passen wir ihn gezielt an und dokumentieren Änderungen. So entsteht über die Zeit eine nachvollziehbare Lernkurve, die zeigt, wie Ihr Gremium mit Unsicherheit umgeht und wie sich der Rahmen an veränderte Bedingungen anpasst.

Team klärt Ziele
Phase

Ziele und Horizonte präzisieren

Zu Beginn klären wir gemeinsam mit Ihrem Team die Ausgangsfrage und den relevanten Zeithorizont. Wir sammeln bestehende Unterlagen, Markterzählungen und interne Vorgaben und übersetzen sie in eine präzise Fragestellung. Erst wenn klar ist, welche Entscheidungen vorbereitet werden sollen, legen wir fest, welche Variablen und Kennzahlen im Szenariobaum eine Rolle spielen und wie fein die Zeitachse aufgelöst werden muss.

[01/03]
Szenariobaum entsteht
Aufbau

Annahmen strukturieren und Baum bauen

Anschließend bauen wir das Annahmenraster und konstruieren den ersten Szenariobaum. Wir ordnen Daten, definieren Basispfade, integrieren Stresspfade und prüfen die interne Konsistenz der Verzweigungen. In enger Abstimmung mit Ihrem Gremium justieren wir Tiefe, Anzahl der Pfade und Darstellung, bis der Baum fachlich robust und zugleich verständlich ist. Diese Phase schließt mit einer ersten strukturierten Diskussion im Ausschuss ab.

[02/03]
Gremium nutzt Rahmen
Einsatz

Nutzung, Anpassung und Lernen

Im letzten Schritt verankern wir den Szenariobaum in Ihren laufenden Prozessen. Wir definieren, wie er in Sitzungen eingesetzt wird, wie Beschlüsse dokumentiert werden und wann Aktualisierungen stattfinden. Nach einigen Zyklen überprüfen wir gemeinsam, wie der Rahmen im Alltag funktioniert, passen Rollen und Abläufe an und dokumentieren Lernerfahrungen. So wird aus einem Projekt ein dauerhaft nutzbares Instrument für lange Horizonte.

[03/03]

Welche Daten und Strukturen wir verbinden

Makro

Makrodaten

Wir nutzen historische Zeitreihen zu Wachstum, Inflation, Zinsen und anderen Makrogrößen, um Spannweiten für Pfade abzuleiten und Bruchstellen im Szenariobaum realistisch zu verorten.
Risiko

Risikomuster

Wir arbeiten mit Risikoindikatoren, Sensitivitätsanalysen und einfachen Stressmaßen, um sichtbar zu machen, wie empfindlich Pfade auf Änderungen zentraler Annahmen reagieren.

Struktur

Baumlogik

Wir setzen strukturierte Diagramme und Baumdarstellungen ein, um Verzweigungen, Knotenpunkte und Rückkopplungen über lange Horizonte hinweg konsistent abzubilden.
Text

Narrative Ebenen

Wir koppeln Zahlen mit kurzen Narrativen, die erklären, warum ein Pfad existiert, welche Mechanismen ihn treiben und wie er sich von alternativen Verläufen unterscheidet.

Governance

Prozessrahmen

Wir beziehen Protokollstandards, Richtlinien und interne Prozesse ein, damit der Szenariobaum sich in bestehende Entscheidungswege und Dokumentationspflichten einfügt.
Visual

Visualisierung

Wir nutzen klare, reduzierte Visualisierungen statt komplexer Grafiken, damit auch nicht technische Mitglieder eines Gremiums die Struktur des Szenariobaums erfassen können.

Praktische Hinweise zum Arbeiten mit Szenariobäumen

1

Weniger Verzweigungen, mehr Relevanz

Vermeiden Sie es, den Szenariobaum mit zu vielen Verzweigungen zu überladen. Fokussieren Sie auf wenige, aber gut begründete Knotenpunkte, die echte Entscheidungen beeinflussen. So bleibt der Rahmen nutzbar, und Ihr Gremium kann sich auf die Pfade konzentrieren, die langfristig wirklich relevant sind.

2

Annahmen am Pfad dokumentieren

Dokumentieren Sie Annahmen direkt im Szenariobaum, nicht in separaten Notizen. Nur so bleibt auch nach Jahren erkennbar, warum ein Pfad existiert, welche Quellen herangezogen wurden und wie Alternativen abgewogen wurden. Das erleichtert spätere Überprüfungen und externe Prüfungen.
3

Sitzungen am Baum ausrichten

Nutzen Sie den Szenariobaum konsequent in Sitzungen, statt ihn nur als Anhang zu verteilen. Strukturieren Sie Diskussionen entlang der Pfade, markieren Sie, welche Verzweigungen berührt wurden, und halten Sie fest, welche Sichtweisen vertreten waren. So wächst der Rahmen mit jeder Sitzung, statt in Ordnern zu verschwinden.

4

Stresspfade ernst nehmen

Achten Sie darauf, Stresspfade nicht nur als Randnotiz zu behandeln. Diskutieren Sie explizit, wie Ihre Organisation in diesen Pfaden reagieren würde, welche Puffer existieren und welche Maßnahmen vorbereitet werden müssten. So wird der Szenariobaum zum Werkzeug für Resilienz, nicht nur für Durchschnittserwartungen.
5

Reflexion fest einplanen

Planen Sie regelmäßige Reflexionspunkte ein, an denen reale Entwicklungen mit den Szenarien abgeglichen werden. Es geht nicht darum, Recht zu behalten, sondern zu verstehen, welche Annahmen robust waren und wo der Rahmen angepasst werden muss. Diese Disziplin stärkt langfristig die Qualität Ihrer Entscheidungen.

Wie wir mit Szenariobäumen systematisch arbeiten

NüchternViele hoffen, ein lockerer Austausch über Märkte reiche, um lange Horizonte im Blick zu behalten, und wundern sich später, warum Entscheidungen im Ausschuss kaum nachvollziehbar sind. Wir arbeiten anders: Unsere Methodik für makroökonomische Szenariobäume zwingt dazu, die Ausgangsfrage zu schärfen, Horizonte bewusst zu wählen und Pfade transparent zu dokumentieren. Auf dieser Seite skizzieren wir, wie wir von der ersten Fragestellung über das Annahmenraster bis zur Einbindung in reale Entscheidungsprozesse vorgehen und wo Sie prüfen können, ob dieser Rahmen zu Ihrer Organisation passt.

Gespräch planen
Klar definierte Ausgangsfrage
Bewusste Wahl des Zeithorizonts
Strukturiertes Annahmenraster
Mehrpfad Szenariobaum
Explizite Stresspfade
Dokumentierte Entscheidungsnutzung
Der bequeme Weg wäre, Modelle im Hintergrund laufen zu lassen und Ergebnisse als fertige Zahl zu präsentieren, wir wählen bewusst den anstrengenderen Weg und machen jeden Schritt der Methodik offen sichtbar, damit Ihr Gremium ihn mittragen kann.

Schritt 1

Wir beginnen mit einer präzisen Formulierung der Ausgangsfrage, klären institutionelle Ziele und Einschränkungen und definieren, welche Zeithorizonte tatsächlich entscheidungsrelevant sind, bevor wir auch nur eine Kennzahl bewegen.

Schritt 2

Wir ordnen Daten, Annahmen und Hypothesen in einem klaren Raster, prüfen Konsistenz über alle Pfade und verankern Stresspfade, damit der Szenariobaum robust bleibt, wenn Rahmenbedingungen sich ändern.

Schritt 3

Wir übersetzen den Szenariobaum in verständliche Visualisierungen, integrieren ihn in wiederkehrende Gremiensitzungen und dokumentieren, wie Entscheidungen an konkrete Pfade anknüpfen.